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maik gossen

EU-Recht13. Oktober 20265 Min. Lesezeit

EU-Pflichten für Onlineshops: alle Fristen bis 2030

Alle EU-Pflichten für Onlineshops mit Frist: Widerrufsbutton, Gewährleistungslabel, Umweltaussagen, Verpackung und Produktpass. Mit To-dos für Shopify.

Blauer Würfel auf einer Kalksteinplatte, dahinter eine Reihe flacher Flusssteine

Kurz gesagt

  • Sofort fällig: Widerrufsbutton, Gewährleistungshinweis, belegbare Umweltaussagen und der Hinweis auf die Reparatur-Verlängerung.
  • Schon länger Pflicht: Herstellerangaben nach GPSR und Barrierefreiheit für Shops ab 10 Mitarbeitern oder 2 Mio. € Umsatz.
  • Ab 2027: Batteriepass für E-Bike-, Fahrzeug- und Industriebatterien.
  • Ab Ende 2028: Digitaler Produktpass für Textilien, erwartet.
  • Ab 2030: höchstens 50 % Leerraum im Versandkarton.

Zwischen Juni 2025 und Januar 2030 treten für Onlineshops mehr neue EU-Pflichten in Kraft als in den zehn Jahren davor. Einige gelten schon, andere kommen erst 2028 oder 2030. Für die späten brauchst du trotzdem jetzt Daten von deinen Lieferanten.

Dieser Fahrplan ist der Auftakt meiner Reihe EU-Recht für Shopify-Shops. Er zeigt jede Pflicht mit Frist, Zielgruppe und dem, was du in Shopify konkret ändern musst. Die Details stehen in eigenen Artikeln, die ich hier verlinke. Stand: Oktober 2026.

Alle Fristen auf einen Blick

DatumPflichtBetrifft
13.12.2024Produktsicherheitsverordnung (GPSR)alle Shops
28.06.2025Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)Shops ab 10 Mitarbeitern oder 2 Mio. € Umsatz
19.06.2026Widerrufsbuttonalle Shops mit Verbrauchern
19.07.2026Vernichtungsverbot für Kleidung und Schuhegroße Unternehmen
31.07.2026Recht auf Reparaturalle Shops mit Verbrauchern
02.08.2026AI Act: TransparenzpflichtenShops mit KI-Chatbot oder KI-Bildern
12.08.2026Verpackungsverordnung (PPWR)alle Shops, die Ware versenden
27.09.2026Gewährleistungshinweis und GARAN-Labelalle Shops mit Verbrauchern
27.09.2026Verbot vager Umweltaussagenalle Shops, die mit Umwelt werben
18.02.2027BatteriepassShops mit E-Bike-, Industrie- und Fahrzeugbatterien
12.08.2028einheitliche Verpackungskennzeichnungalle Shops, die Ware versenden
Ende 2028 (erwartet)Digitaler Produktpass für TextilienModemarken und Textilhändler
01.01.2030höchstens 50 % Leerraum im Versandkartonalle Shops, die Ware versenden
19.07.2030Vernichtungsverbot für mittlere UnternehmenModehändler mit 50 bis 249 Mitarbeitern

Was schon gilt

Produktsicherheit (GPSR)

Seit Dezember 2024 muss jede Produktseite den Hersteller mit Postanschrift nennen. Sitzt der Hersteller außerhalb der EU, kommt eine verantwortliche Person in der EU dazu. Außerdem gehören Warn- und Sicherheitshinweise auf die Seite, sobald sie auch auf der Verpackung stehen. In Shopify legst du dafür Metafelder am Produkt oder am Hersteller an und gibst sie per Theme-Block auf der Produktseite aus.

Barrierefreiheit (BFSG)

Shops, die mindestens 10 Leute beschäftigen oder mehr als 2 Millionen Euro Umsatz machen, müssen seit Juni 2025 barrierefrei sein. Kleinstunternehmen darunter sind ausgenommen. Die häufigsten Fehler sehe ich in Themes, die nie geprüft wurden: fehlende Alt-Texte, zu schwacher Kontrast, Menüs ohne Tastaturbedienung und Popups, die sich nicht schließen lassen. Pflicht ist zusätzlich eine Erklärung zur Barrierefreiheit auf einer eigenen Seite.

Widerrufsbutton

Seit dem 19. Juni 2026 braucht jeder Shop eine gut sichtbare Widerrufsfunktion mit Bestätigungsschritt und Eingangsbestätigung. Fehlt der Hinweis darauf in der Belehrung, kann der Kunde bis zu 12 Monate und 14 Tage widerrufen. Was § 356a BGB genau verlangt, steht im Artikel Widerrufsrecht 2026. Wie du den Button in Shopify einbaust, zeigt die Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Recht auf Reparatur

Seit dem 31. Juli 2026 zählt die Reparierbarkeit zur üblichen Beschaffenheit einer Ware. Lässt ein Kunde einen Mangel reparieren, verlängert sich die Gewährleistung einmalig um 12 Monate. Darauf musst du ihn nach der ersten Mängelanzeige hinweisen, und zwar bevor er zwischen Reparatur und Ersatz wählt. Ein Satz in den AGB reicht dafür nicht. Passe deshalb die Textbausteine an, mit denen dein Kundenservice auf Reklamationen antwortet.

KI-Kennzeichnung (AI Act)

Seit dem 2. August 2026 müssen Kunden erkennen, wenn sie mit einem KI-Chatbot schreiben. Täuschend echte KI-Bilder von Menschen oder Orten brauchen einen Hinweis. KI-Produkttexte musst du nach aktuellem Stand nicht kennzeichnen, solange ein Mensch sie prüft und freigibt. Die Einzelheiten stehen im Artikel AI Act für Shopify-Shops.

Verpackung (PPWR)

Die EU-Verpackungsverordnung gilt seit dem 12. August 2026 direkt. Die Registrierung im LUCID-Register und die Beteiligung an einem dualen System bleiben wie bisher. Neu sind vor allem die Dokumentationspflichten für Hersteller von Verpackungen. Wer selbst Kartons mit eigenem Logo bestellt, sollte mit dem Lieferanten klären, wer welche Erklärung liefert.

Vernichtungsverbot für Kleidung

Große Unternehmen dürfen unverkaufte Kleidung und Schuhe seit dem 19. Juli 2026 nicht mehr vernichten. Für mittlere Unternehmen gilt das ab 2030. Kleine Shops sind ausgenommen. Retouren, die sich nicht mehr verkaufen lassen, brauchen dann einen anderen Weg, etwa Outlet, Spende oder Recycling.

Was seit dem 27. September 2026 dazukam

Gewährleistungshinweis und GARAN-Label

Jeder Shop muss Verbraucher mit dem einheitlichen EU-Hinweis über die gesetzliche Gewährleistung informieren. Gibt der Hersteller eine kostenlose Haltbarkeitsgarantie über mehr als zwei Jahre, kommt das GARAN-Label auf die Produktseite. Die Vorlagen und den Einbau in Shopify erkläre ich im Artikel zur EU-Gewährleistung.

Umweltaussagen

Allgemeine Aussagen wie „grün“, „öko“ oder „umweltfreundlich“ sind seit Ende September verboten, wenn du sie nicht konkret belegst. Eigene Nachhaltigkeitssiegel ohne Zertifizierung durch Dritte sind ebenfalls verboten. Das gleiche gilt für „klimaneutral“ am Produkt, wenn die Neutralität nur durch Kompensation entsteht. Für Shops heißt das: Produkttexte, Badges im Theme und Filter wie „nachhaltig“ einmal komplett durchgehen. In Shopify findest du die Stellen über die Produktsuche im Admin und in den Theme-Dateien über die Code-Suche.

Was 2027 bis 2030 kommt

Digitaler Produktpass

Der Digitale Produktpass kommt stufenweise. Zuerst brauchen Batterien für E-Bikes, E-Scooter, Fahrzeuge und Industriebatterien über 2 kWh ab dem 18. Februar 2027 einen Batteriepass. Für Textilien erwartet die EU-Kommission den Rechtsakt 2027. Die Pflicht greift dann voraussichtlich Ende 2028. Möbel, Elektronik und weitere Gruppen folgen bis etwa 2030.

Der Pass hängt am Produkt, meist als QR-Code auf dem Etikett. Dahinter stehen Daten zu Material, Herkunft, Reparatur und Recycling. Diese Daten liegen heute bei deinen Lieferanten, und es dauert Monate, sie einzusammeln. Wer Mode verkauft, sollte 2027 damit anfangen. Die Termine pro Produktgruppe erklärt Mapasso im Bereich ESPR erklärt. Wie du den Pass in Shopify umsetzt und welches Tool zu welcher Shopgröße passt, steht im Artikel Digitaler Produktpass für Shopify-Shops.

Verpackung

Ab dem 12. August 2028 bekommen Verpackungen eine einheitliche EU-Kennzeichnung für die Mülltrennung. Ab 2030 darf ein Versandkarton höchstens zur Hälfte aus Luft und Füllmaterial bestehen. Wer heute fünf Kartongrößen für 300 Produkte nutzt, braucht dann mehr Größen oder eine Verpackung, die sich anpasst.

In welcher Reihenfolge du vorgehst

Ich fange in Kundenshops mit den Pflichten an, die schon gelten und abgemahnt werden. Das sind der Widerrufsbutton, der Gewährleistungshinweis und Umweltaussagen in Produkttexten. Danach kommen GPSR-Angaben und Barrierefreiheit, weil beides viele Produktseiten betrifft und sich gut zusammen erledigen lässt. Den Produktpass bereite ich parallel vor, indem ich Materialangaben und GTINs sauber in Shopify-Felder bringe. Das hilft auch heute schon, etwa bei Google Shopping.

Fazit

Für die meisten Shopify-Shops sind 2026 vier Änderungen sofort fällig: Widerrufsbutton, Gewährleistungshinweis, Umweltaussagen und der Hinweis auf die Reparatur-Verlängerung. Alles andere lässt sich planen. Beim Produktpass entscheidet der Vorlauf, weil die Daten bei Lieferanten liegen. Ich ergänze diesen Fahrplan, sobald neue Fristen feststehen.

Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung. Bei Fragen zu deinem konkreten Fall hilft ein Anwalt oder der Händlerbund.

Maik Gossen

Maik GossenIch arbeite als Shopify Freelancer für Shops in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Von mir stammen die Apps EasyWiderruf und Mapasso. Mehr über mich

Häufige Fragen

Welche EU-Pflichten gelten 2026 für Onlineshops?

Neu dazugekommen sind 2026 der Widerrufsbutton (19. Juni), das Recht auf Reparatur (31. Juli), die Transparenzpflichten aus dem AI Act (2. August), die Verpackungsverordnung (12. August) sowie Gewährleistungshinweis und Verbot vager Umweltaussagen (27. September). GPSR und Barrierefreiheit gelten schon seit 2024 und 2025.

Ab wann brauchen Onlineshops einen digitalen Produktpass?

Das hängt von der Produktgruppe ab. Batterien für E-Bikes, Fahrzeuge und Industriebatterien über 2 kWh brauchen ab dem 18. Februar 2027 einen Batteriepass. Für Textilien wird die Pflicht voraussichtlich Ende 2028 greifen. Weitere Gruppen folgen bis etwa 2030.

Gilt das Barrierefreiheitsgesetz auch für kleine Shops?

Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz sind ausgenommen. Alle größeren Shops, die an Verbraucher verkaufen, müssen seit dem 28. Juni 2025 barrierefrei sein.

Darf ich noch mit „nachhaltig“ werben?

Nur mit konkretem Beleg, zum Beispiel „Hülle aus 80 % recyceltem Polyester“. Allgemeine Aussagen wie „umweltfreundlich“ oder eigene Siegel ohne Zertifizierung durch Dritte sind seit dem 27. September 2026 verboten.

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